Wechselwirkungen

erstellt am 12.05.2012 18:56:54

Es ist wach!

Das war gut gestern. Ich lasse den Abend Revue passieren und die Augen strahlen bei den vielen lustigen Momenten, die wir hatten. Noch immer komme ich nicht los von dem Bild der beiden Kerle, die minutenlang auf der Stelle hüpfend Figuren machen und bis zum Schluss alles geben. Großartig :)

Zeit das Chaos, welches kein Drama ist, zu beseitigen. Bewaffnet mit Kaffee (con leche … si si si- mas leche, por favor!) verschaffe ich mir noch einen zweiten Überblick und lege los. Schnell den Abwasch geregelt und auch der Staubsauger sorgt für Zufriedenheit. Fertig! Ich grinse also zufrieden und watschel im entspannten Outfit durch die Butze. Sechs millionen Aufgaben und keinen Plan- … geht doch ;)

In ner 3/4 Stunde auf nen Kaffee bei dir? :-)“, flunkert mich mein Telefon an. „Klar :)“. Ich freue mich. In der letzten Zeit wird das mehr, was wir gemeinsam starten. Wer hätte das gedacht nach dem Start, den wir einst hingelegt haben, haha. Aber damit habe ich noch ein wenig Zeit zu tüddeln für mich. Auch das gefällt.

Der zweite Kaffee ist in meiner Tasse und er schmettert ein „Moinsen!“ durch die Zahnreihe, als er den Raum betritt. Wir sabbeln, lachen und die Themen werden zunehmend offener. Nach einer Weile gesellt sich ein weiterer Freund dazu und wir quatschen uns in den Nachmittag.

Es sind die einfachen Dinge, hmm?“, höre ich meine innere Stimme leise und zufrieden. So eine kleine spontane Runde ist lange nicht da gewesen und tut gut. Zurück zu dem, was noch zu regeln war … gut … ich müsste noch etwas einkaufen und für morgen sollte auch etwas parat sein. Mein Zeitfenster spricht von knapp vier Stunden und ich denke, ich starte noch mal einen der verschlafenen Filme der letzten Nacht an. Verdammt werden die Augen schwer. Aber geschafft! Mache das Glotzophon aus und stelle mir einen Wecker, damit ich nicht zu viel Zeit verpenne. Der Zeitstrahl erlaubt noch knapp ein und halb stunden schlaf! Muss reichen :) Zz Zz Zz …

Bevor mich der Wecker erwischt, werde ich wach. Ich muss wirklich weit weg gewesen sein, denn ich habe nicht gehört, wie das Telefon gebimmelt hat. Nicht weiter schlimm … liege noch gut in der Zeit und die Augen werden langsam größer. Sie möchte wissen, wann es los geht und ob ich sie abhole. Natürlich tue ich das! Gentleman liegt in der Luft und ich fange innerlich an zu sprudeln. Das ist Vorfreude auf den Abend. Ich werde wieder Leute mischen und einen sehr entspannten Abend haben. „Ich gehe noch fix unter die Dusche eine Runde Singen und bin danach auf dem Weg!“, drücke ich auf die Glasplatte. Aber vorher muss ich dringend mal Musik haben! Euphorie überrennt mich und ich drehe innerlich total über. Auf geht’s!

Es liegt HOUSE in der Luft

Die Playlist tut ihr übriges um meine Laune noch weiter zu pushen. „Love, dont let me go!“ Ich fahre zwar keinen Renault, der auf einem See Schlittschuh fahren kann und er Text hätte eher in das letzte Jahr gepasst, aber David lässt es krachen und der Kopf wippt mit! Ein Kracher nach dem anderen flutet meine 150m² und ich tänzel anerkennend durch die Butze.“The World i mine!“, erklärt mir JD zusammen mit David. In einem Wohnblock wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo zwei uniformierte vor der Tür nett klingeln würden. „Ah… die Stripper! Jungs, ihr seid zu früh- es ist noch keiner da!!!“, lache ich, während ich mir das vorstelle. Mit Begeisterung stelle ich fest, dass die Badewanne hörbar im Takt mit vibriert. Herr Gott, was war in dem Kaffee?! Egal, ich will noch mehr davon! Noch keinen Plan, was ich anziehen soll, aber das Handtuch ist definitiv keine Lösung! Kelly trällert dann ein lautes „when love takes over“ und ich verspotte sie lachend: „Den Text kannst Du dir schenken, Torte! Liebe!? … die Liebe liegt im Sterben und reitet Kühe in Texas ein!“.

Das Outfit ist gefunden und ich merke, dass mein Zeitstrahl wie eine Reserveanzeige der Tanknadel rot aufleuchtet. Das wird eng, aber ich liege noch „gut“ im Bereich des Machbaren. Wieder pulsiert ein Text durch meine Ohrmuschel. Hab ich letztes Jahr auch gehört aber jetzt fühlt es sich wesentlich besser an:

I just want to let it go for the night- That would be the best therapy for me

Ja, das wird so sein. Große Buchstaben flackern über meine Augen: Abfahrt! Ich ziehe los und beschließe im Auto etwas runter zu fahren, denn der Abend wird sich bestimmt noch steigern.

Du wirst ernten was du säst!

Ahhh! Willkommen, ihr Gedanken, was hekt Ihr nun wieder aus? Nein, es interessiert mich gerade nicht, was ihr gerade hier einwerfen wollt! Ich bin sicher nicht ohne Gefühl, aber ich muss sagen, heute geht’s mir gut und das will ich genießen. Und ich sehe keinen Grund hier einen Gang runter zu drehen, vielleicht aus Hoffnung?! … oder gar aus Rücksicht? Rücksicht muss man sich verdienen, denn bevor ich mehr gebe, will ich sehen, dass auch etwas gegeben wird! Es würde mich doch arg überraschen, wenn man sich überwindet um mal einen Dialog auf die Beine zu stellen, weil es einem doch noch etwas bedeutet. Nein nein, liebe Gedanken, Setzen, sechs! Es wird geerntet, was man sät! Und ich hab mir eine große Tüte „neues Leben, wenn das alte schon nicht mehr eine Chance kriegt“ eingepackt und bringe es auf’s Feld. Ich denke, das werde ich mal etwas genauer ausführen müssen.

Ein Kompromiss ist kein Vogel

Wenn man in einer Beziehung klar kommen möchte und beide zufrieden sein sollen, dann muss man bereit sein, Kompromisse zu machen. Ich denke, das ist eine Grundregel, die mit steigendem Alter immer mehr an Bedeutung gewinnt. Und ohne das kann es einfach nicht funktionieren.

Als ich im letzten Jahr einen weiteren Versuch startete das Herz der Frau, die ich als Mittelpunkt meines Lebens sah, zu erobern, schreckte ich vor nichts zurück. Was musste alles wie funktionieren, damit es für uns weiter gehen durfte? Egal, ich bin dabei. Ich wusste, was sie störte und ich beschloss es abzustellen. Mein Hobby hing ich also (selber) an den Haken, damit wir eine Chance hätten. Das war nicht ihre Idee, nein, aber ich wollte ihr beweisen, dass es mir ernst sei. Und ich meinte es verdammt ernst. Für den nächsten Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft und Kinder beteuerte ich auch bereit zu sein. Das war für mich selber nicht neu, aber wie ich schon ein Mal schrieb, wurde ich in der Hinsicht wohl nicht ernst genommen. Ich drehte Dinge und organisierte alles mir Mögliche zu Recht, damit es ein weiterer Anlauf leicht haben würde, Fuß zu fassen. Noch mehr Zeit durch den Scheiß, den man gemeinsam schon verzapft hatte, wollte ich nicht verlieren. Ich wollte das ganze Paket! Das war meine Motivation. Alles andere musste mal eine Auszeit haben und sich um sich selbst kümmern.

Ich übte mich in Geduld und biss mir so manches Mal lieber auf die Lippe anstatt Gegenwind zu produzieren. Wer mich in der Zeit erlebt hat, wird wissen, was ich meine. Jemand, der uns vorher erlebt hat und sehr viel um uns war, schaute mich nach einem harschen Wortwechsel verwundert an. „Meine Güte, bringst Du Geduld mit! Das muss man mal sagen! Donnerwetter!“. Ich antwortete ruhig und ohne Mimik: „Wenn es notwendig ist, um uns zusammen zu halten, dann bin ich geduldig!“.

Mit der Zeit ging ich (für mich) viele Kompromisse ein. Ich wollte besser sein, als das letzte Mal und ihr Zeit verschaffen um Kraft zu tanken. Die Erwartung, auch etwas in der Hinsicht zurück zu bekommen, blieb aber nicht selten unerfüllt.

Ich möchte nicht sagen, dass sie keine Kompromisse eingegangen ist. Das wäre sicherlich nicht fair und auch falsch. Auch rechne ich in dieser Hinsicht nicht 1:1 auf. Lediglich erwarte ich von einem Menschen für den ich mich so öffne, dass er es zum einen erkennt und zum anderen auch, in welcher Art auch immer, honoriert. Ein eigener Kompromiss z.B. zeigt, dass man auch an sich in der Hinsicht arbeitet und bereit ist, für etwas gemeinsames, ein Opfer zu bringen. „ich werde versuchen, es einfach ein wenig lockerer zu sehen, wie du sagst“, war z.B. für mich ein riesiger Erfolg. Es machte mich glücklich, dass wir einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hatten. War quasi für mich ein großer Tag. Nach einiger Zeit jedoch war dieser Wille schon nicht mehr vorhanden.

Vermutlich waren es zu wenige Opfer, die gebracht und Kompromisse, die gemacht wurden. Ich bin mir nicht sicher, dass sie das für sich so sieht. Eins unserer letzten entscheidenden Gespräche lief auf Kompromisse hinaus. Ich hatte eine kleine Bitte, die uns ein Zusammenleben sehr erleichtert hätte. Und ich wollte nur, dass sie sich ein kleines Stück in meine Richtung bewegt. Das hätte mir genügt, und mir gezeigt, dass sie bereit wäre, weiter zu gehen. Sie winkte aber ab mit Argumenten, die es schwer machten, weiter einen sinnvollen Dialog zu halten. Erst nachdem sie (einige Tage) später mit ihrem besten Freund telefoniert hatte, fing sie an, darüber nachzudenken. Er hatte gesagt: „Tu es doch einfach, und zieh dann ein!“.

Es ging mir nicht so sehr um die Sache, sondern eher um den Willen, einen Kompromiss einzugehen. Ich hätte, egal was uns bis dahin passiert war, drei große Kreuze gemacht, denn ich hätte gewußt, dass wir beide noch an etwas glauben und arbeiten. Aber Kompromisse waren scheinbar nicht möglich.

Für mich ist ein Kompromiss kein Vogel- er kann, wenn er etwas Bedeutendes tragen oder ermöglichen soll, nicht nur auf einem Bein stehen! Kompromisse müssen beide eingehen und es auch wollen.

AUFWACHEN!

Die Ampel war rot, als ich die Straße kreuzte! Zu spät bemerkt - … ihr Arschloch-Gedanken! Glück gehabt! Scheinbar meint es jemand gut mit mir denn es passiert nichts. Kein Adrenalinschub, kein Zittern. Nichts. Es macht mir etwas Angst, aber ich will darüber nicht nachdenken in dem Moment. Gleich bin ich da! Mein Kumpel steigt ein und wir düsen weiter. „Alter, Du bist fix unterwegs heute!?“, bemerkt er fragend. Ich empfinde es gerade nicht so schnell aber er wird recht haben. Das Handy blitzt mir eine Nachricht. „Wann kommst du mich denn holen?“ … „Babe, ich muss noch schnell in den FöPa etwas holen, aber ich bin in 25min bei dir!“. Sprachnachrichten sind etwas tolles. Meine Laune steigt wieder und Gedanken sowie rote Ampeln verschwinden.

Der FöPa ist noch zu voll, obgleich es schon recht spät ist. Egal, wir müssen da rein und ich fange an mir etwas auszusuchen. In meinen Adern pumpt noch der Beat der House-Musik und bemerke erst Sekunden später, dass dieser aus dem Takt gerät. Der Rhythmus in meinem Kopf verstummt abrupt. Aus dem Lautsprecher des Kaufhauses ertönt eine zarte Frauenstimme, die einen besonderen Text runter singt:

Und hier bist du
Hältst meine Hand und lachst
Weil du mich besser kennst als ich
Ich bin verliebt in dich
Mein Leben will
Ich mir nicht vorstellen ohne dich

Es ist Nena und genau dieser Teil von „mein Leben“ brettert unaufhaltsam in mein Ohr. DAS ist wenig fair! Dieses Lied hat eine besondere Bedeutung und ich höre noch die Worte: „kennst Du das? … das ist total schön. Ich fühle mich so und verbinde das mit uns.“ Dieses Lied habe ich bisher zwei Mal vorher gehört. Das erste Mal als Beifahrer im Auto und das zweite Mal, weil ich interessiert daran war, was die Botschaft des Liedes ist. Beides ist sehr lange her und ich frage mich gerade, wieso mir das JETZT so auffallen muss? Sehr vieles in diesem Text war einfach zutreffend. Ich denke wirklich sie besser zu kennen, zu wissen, was hier und da schief geht und auch, wie man das in den Griff bekommt. Aber das hilft nichts, wenn ich es weiß. Es ist kein Problem, Fehler zu machen oder um diese zu wissen. Schade ist es nur, wenn man sich nicht helfen lassen möchte, weil es der eigene Stolz nicht zulässt.

Eine weitere Sprachnachricht holt mich zurück, zurück auf meinen Kurs. Jetzt schnell die kleine abholen. Ich drücke die Klingel und zwei verdammt lange Beine begrüßen mich ;) Ich habe das Gefühl, dass ich minutenlang an diesen Beinen entlang schaue, bis ich diese warmen braunen Augen erreiche, die mich freundlich anschauen. Los geht’s.

Wir erreichen die anderen und sind fast die ersten ;) Schön! Es ist gemütlich und der Herr des Hauses inkl. einiger Kumpels taucht mit auf! Es ist eine entspannte Stimmung, es ist locker und der Abend gestaltet sich sehr positiv. Auch die letzten Gäste erreichen die Hütte und wir stocken nochmals auf der Couch auf. Wieder pumpt klasse Musik aus den Lautsprechern, Prosecco in diversen Farben fließt und die anonymen treffen der Mädels in der Küche häufen sich: „Erdbeerlimes!“ Das ganze mischt sich und tut gut. Es ist so wunderbar unkompliziert. Kein Stutenbeissen und kein Gerangel.


... que dulce!

Habe beschlossen nüchtern zu bleiben, damit wir von A nach B kommen und ich unproblematisch heim finde. Nein, auch wenn mein Inneres gegen Gedanken und den Blödsinn in meinem Kopf rebellierend aufschreit, so sehe ich keinen Anlass mich aus dem Leben zu schießen. Es ist scheinbar der unermüdliche Kämpfer in mir, der gerade gegen die Windmühlen aus Fragezeichen los reiten möchte um Antworten zu finden und das Unverständnis zu erledigen. Ich weiss, was mir fehlt und was ich brauche, aber die Harmonie lässt sich so nicht erreichen. Ich drehe den Aufschrei in meinem Kopf leiser und denke: „Ruhig brauner! … lass es gut sein für jetzt und hier! Vielleicht bekommst Du deine Chance einen anderen Tag.

Red Bull ist mein Freund in dieser Nacht und ich bin umgeben von netten Leuten und vielen sehr langen Beinen. Der Hausherr und ich kommunizieren mit den Augen und verstehen uns ;) Wir lachen, als wir uns gegenseitig sehen. Prost die Herren!

Die Stimmung ist schon sehr gut, als wir uns auf die beiden Autos verteilen- Partytime! Ich hab das Auto voller langer Beine und diese plaudern gemütlich vor sich hin bis wir da sind. Die Musik pumpt ganz böse aber ist nicht zu laut. Japp, so habe ich mir das vorgestellt. Einige bekannte Gesichter huschen hin und wieder vorbei und ich tanze, weil ich dem Beat nicht wiederstehen kann und mir danach ist. Die Kleine gesellt sich hin und wieder dazu, und wir machen uns nicht gerade populär auf der Tanzfläche. Darüber amüsieren wir uns allerdings; stört uns nicht. Der Laden ist voll, der DJ kann keine Übergänge mixen mein Kumpel verliebt sich in etwa 37 Mal als wir gemeinsam durch die Menge ziehen ;) Wir treffen die Mädels weiter hinten. „wo finde ich Dich wieder?“, will die Kleine wissen, bevor sie nach draussen gezerrt wird. „ich werde hier sein, oder ich finde Dich!“ Nach wie vor ist es super unkompliziert. Die Party ist gut organisiert und uns gefällt’s. Bei den ersten schlägt der Alkohol zu und fordert seine Opfer. Taxi, gute Besserung, wir hören morgen. Mal besser nach den anderen sehen. Die langen Beine stehen immernoch draussen und rauchen. „Ach hier steckt ihr! Wo ist der Rest?“ … „Du, die ist rein gegangen um Dich zu suchen!“. Sie hakt sich ein und spricht unentwegt französisch mit mir. „Ma Chérie … ich spreche doch kein Französich! ;) Spanisch, gut, da bin ich gern dabei“. Sie muss langsam nach Hause. Merkt sie selber ;) Die Kerle sind derweil immer noch unterwegs und wir anderen parken auf den roten Polstern- fünf Minuten Sitzen kann nicht schaden. Mein Kumpel gesellt sich noch kurz dazu, bevor wir beschließen, aufzubrechen.

Code Red! Die langen Beine müssen jetzt SCHNELL nach Hause! Ich hatte versprochen auf sie aufzupassen und sie heim zu schaffen. Als Fahrer hast Du dann immer die typische Rechenaufgabe vor Augen: Wie schnell muss man fahren, um bei einem Minimum an Zeit ohne einen kotzenden Fahrgast anzukommen? Aber sie wirkt stabil. Nur ruhig heim bringen. „Soll ich Dich zuerst rum fahren oder drehst Du noch eine Runde mit uns?“, will ich von der Kleinen wissen. „ich kann ruhig noch eine Runde mit Euch fahren!“ Sehr gut! Wir schaffen die langen Beine sicher heim und beschließen spontan noch zu dritt einen Döner einzuschmeißen ;) Lustige Nacht, aber ich freue mich auf mein Bett! Ich denke, es wird Zeit.