Luftholen

erstellt am 13.05.2012 23:57:44

Noch immer bin ich etwas groggy an diesem Morgen aber ich hatte ja gesagt, dass ich spätestens um 12:00 da sein würde. Da ist nicht viel Schlaf gewesen und es bleibt eine Stunde um sich zu berappeln. Keinen Kater, keinen Hunger und sonst auch nichts. Cooler abend! Jedoch bin ich noch weit von dem Zustand wo man sich als gesellschaftsfähig bezeichnen darf. Passend zu meinen Augenringen ziehe ich heute etwas dunkles an. Peter singt an diesem Morgen nicht und der Sound zum aufwachen ist merklich härter. Es pusht mich und ich breche nach kurzer Zeit auf. Kurz gecheckt: jupp, Geld ist dabei, EC-Karte auch- perfekt, dann stehe ich später nicht so dumm da, wie bei meinem letzten Tripp.

Muttertag

Sie steht im Garten und ist fleissig. Umso mehr erfreut es sie, dass ich im Fenster stehe und winke. „Alles Gute zum Muttertag, Mum!“. Eine edle Schachtel Pralinen war dieses Jahr besser, als ein Strauss, der zwar duftet aber bestimmt nicht so gut schmeckt :D Wir sitzen fix auf einer Tasse Kaffee und plaudern nett. Aber ich muss weiter … der Zeitplan ist noch safe! Habe ich etwas vergessen!? … nein, ich denke nicht.

Das silberne Pferd brummelt gierig als ich mich ins Leder fallen lasse; wohl wissend, was gleich passieren wird. Ich wage es und lasse das Dach im Kofferraum verschwinden, während ich meiner Mum winke und davon rolle. Die Sonne wirkt etwas unwirklich aber belohnt den Versuch oben ohne zu reiten mit Wärme. Ja, gib’s mir! Ich brauche das und mein Vitamin-D Defizit ist längst noch nicht ausgeglichen. Ich blinzle dem warmen Ball zu und grinse. Ja, liebe Sonne, ich komme! Der Deal steht. Nur wenige Sekunden später habe ich meine Reisegeschwindigkeit von 250 eingenommen und fliege einige Kilometer über den Asphalt. Ich habe keine Relation zu Geschwindigkeit in der letzten Zeit. Es wirkt normal und ich würde sogar die idiotische Behauptung aufstellen wollen, dass es mich entspannt. (ja, ja, liebe Psychologen- ich kenne die Studien, die das Gegenteil beweisen!)

Die Regentropfen sollen mir gerade egal sein. Ich folge den Bahnschienen mit den Augen und erkenne das Mais-Labyrinth … halt nur ohne Mais. Beim Bahnübergang bleiben die Augen kurz hängen- ist ein Reflex oder vielleicht auch nur eine Gewohnheit. Egal, was es ist; es bleiben Erinnerungen.

Die Regentropfen meinen es wirklich ernst heute und ich beschließe die nächste Brücke zu nutzen um das Dach wieder zu schließen. Nächste Ausfahrt Tarp! Nein, mein liebes Pferd, hier sollst Du nicht runter! Wir werden weiter reiten. Erneut schieße ich an den anderen Autos vorbei und hole etwas Luft. Welch Ironie!

Ich schaffe es pünktlich und wie versprochen. Mit dem Kaffee läuft es nicht so wirklich, denn ich versenke einen Teil davon in den Fernbedienungen und starte erneut in die Küche um das Malheur zu beseitigen ;) Gelächter. Alles ist gewohnt und unkompliziert und dann brechen wir auf zur nächsten Etappe. Während wir durch den Verkehr düsen, erzählen wir uns die Geschichten, die uns gerade bewegen und tauschen uns aus. Wunderbar. Das war schon wieder zu lange her, dass wir uns gesehen haben (auch wenn es doch gar nicht so lange her war, haha). Ich denke mir, dass ich das ruhig etwas häufiger machen kann.

Tibarg!

Ab in die Ubahn und das letzte Stück ohne Auto. Es ist noch sehr leer hier, aber das wird sich wohl bald gewaltig ändern. Ich träume ein wenig vor mich hin und erinnere mich an einen Getränkechip von Queen Calavera, den ich oft bei mir hatte und durch die Finger spielte. Das ist aber lange her und der Film spult den weiter bis zur Alster, an der dann gefrühstückt wurde. „Hab ich zu viel versprochen?“, höre ich mich fragen während ich ihr gegenüber sitze. Sie lacht und schüttelt den Kopf. Das war abgesehen vom Wetter ein sehr schöner Moment.

Schlump

Es ist voll geworden hier. Und ich merke, wie angenehm die kleine Stadt ist, in der ich wohne. In den nächsten Wagon zu kommen ist ein wenig Herausforderung und ich versuche mich daran auszurechnen, wie viel Plaque pro qm² hier wohl sind, als ich in meiner Ecke des Wagons klemme. Wieso will ich so etwas überhaupt wissen? Skurrile Figuren, ein 60-jähriger mit vollem langem grauen Haar und eine kleine Wolke von herbem Dosenbier ist zu entdecken. Eine Station noch, und wir sind da. Scheisse ist das voll! Dabei ist das Wetter nicht mal besonders. Noch ein Mal wird mir bewußt, wie klein „meine Welt“ ist und was hier los ist.

Es ist ein wenig wie Kieler Woche, nur am Wasser, mit mehr Leuten und halt in Hamburg. Der Hafengeburtstag ist zwar spannend, aber auch nicht der riesen Reisser. Es ist dennoch angenehm. Ich fange mit meinem üblichen Ritual an: WAS FRESSEN WIR JETZT!? Das hat irgendwie Tradition ;) Es muss etwas süßes werden. Aber drei Euro für einen Crepe finde ich etwas happig. Und auch die anderen Futter-All-Stars haben es preislich in sich. Im Schnitt ist jedes essbare "Highlight" ab vier Euro zu haben. Das toppt sogar den Jahrmarkt in der Stadt. Ich warte, während die anderen an Blumenkohl und Maiskolben kauen. Der Blumenkohl war allerdings eine Fehlinvestition. "Moinsen, hier ... mach mir mal so ein Crepe fertig, bitte!" ... "klar! womit?" ... "Zimt und Zucker! Aber reichlich- es sollte mir aus den Ohren wieder rauslaufen!". Der Dialog ist locker und das Mädel haut einen extra schlach rein. Der Wunsch wird sowas von erhört und ich merke, dass auch für zwei Crepes gereicht hätte. Aber soll ich mich beklagen? ... nein, der ist verhaftet und macht mich glücklich :)

Hello, Mary!

Hinter der Fressmeile wächst ein Schiff zwischen den Gebäuden empor und alles andere wird scheibar klein. Keine Ahnung, wie groß der Pott wirklich ist, aber alles drum herum ist kleiner ... merklich kleiner. Ich bin erst überrascht und danach fasziniert von der Erscheinung der Queen Mary 2. Das war nie wirklich wichtig für mich, aber ich staune! Die Deutschland, die hinte der Königin angebunden ist, wirkt wie ein kleine Ruderboot, welches wie ein Schlaufboot hinterher gezogen gehört. Wahnsinn. Ich sehe die oberen Decks und male mir kurz aus, wie es wohl sein muss, wenn man morgens aufsteht, und zu dem Balkon der Kabine geht, die nur das offene Meer im Angebot hat. Aber mehr brauch es auch nicht! Das ist etwas, was sehr schön ist, aber alleine ist das nichts. Das muss man teilen, um es wirklich richtig zu spüren.

Es wird mir wieder bewußt, dass es zwei Arten zu leben gibt! Alleine, all-inclusive und kompromisslos und natürlich zu zweit, wo man vielleicht nicht so spektakuläre Dinge macht, aber diese so intensiv erleben kann, dass es einen umhaut! Du verkackter romantiker, hör auf jetzt! Ich merke, ich muss den Schalter umstellen.

Die Auslaufparade steht an und wir warten auf den Startschuss. Alle Schiffe werden in Position gebracht und vorn ertönt das Signal. Unsere Füße sind platt und wir machen uns auf den Weg. War schön und sogar etwas Sonne wurde geboten :) Ab in die Ubahn und heimwärts. Der Rückweg erscheint schnell. Kann aber auch daran liegen, dass wir zu viel Frischluft ausgesetz wurden und nur tippelschritte machten :D Ich glaube, es dauert keine 4 Minuten, und ich sacke im Auto weg. Kann mich nicht daran erinnern, dass wir auf die Bahn kommen und wache erst viel später auf. Könnte es sein, dass ich kaputt bin? Egal, tat gut und Beifahrer müssen nicht lenken!

Als wir zurück sind, gibts erst mal nen Kaffee. Sehr gut. Die Couch und ich freuden uns sehr schnell an während wir uns schön fest quatschen. "... wir haben hier noch ne Zahnbürste". das ist nett, aber ich denke, ich schaffe es noch in mein Bett,glaube ich. Es ist sehr nett in der Runde und die Gespräche enden nicht. Letztlich lerne ich, dass nur Opas noch Rasierwasser benutzen! Randnotiz: Ich bin noch kein Opa! Verhalten aktualisieren und etwas neues probieren! Wage ich also das Experiment mit "the one Gentleman"- und mit dem Namen kann ich mich durchaus identifizieren. Das ist so komplett anders, als was ich sonst so nutze. Macht mich gefühlt komisch aber ich sage mir, dass ich auch mal etwas neues probieren muss! Danke für diesen Seitenhieb. Ich muss in mein Bett!

Die Nacht - Du bist nicht allein!

Das silberne Pferd kennt den Weg durch die Nacht. Es ist reichlich spät und ich soll arbeiten am nächsten Tag. Egal, aber besser etwas gemütlich fahren. Es ist eh zu spät für alles. Also kann ich mir auch Zeit lassen, es wartet niemand mehr auf mich. Thomas singt "Du bist nicht allein!" und ich merke, dass mein Unterbewußtsein eine neue Filmrolle einlegt. Keine Ahnung, was ich gleich vor meinem geistigen Auge erlebe, aber ich bin ruhig und entspannt. Dieses mal ist der Heimweg anders. Zumindest wird es mir so bewußt. Zeitweise hatte ich immer bis Tarp gerechnet, wenn ich richtung Norden fuhr. Hatte etwas schönes. An kommen, heim kommen und sich fallen lassen. Es war mir zu dem Zeitpunkt egal, ob wir bei ihr oder mir waren in der Hinsicht. Hauptsache war, dass wir waren in dem Moment. Vielleicht bin ich einfach gestrickt was das angeht, aber der Gedanke war immer schön. Aber hier ist nicht mehr der Ort, wo ich an komme. Ist nicht gewünscht und sinnfrei. Verrückt, dass es mir dennoch durch den Kopf plätschert!? Ein kleines Sprudeln ist zu spühren, aber ich habe nicht die Kraft, das weiter zu verfolgen. Ich bin müde! ... müde von so vielen Dingen, für die ich gekämpft habe und denen ich meinen Glauben schenke. Nicht schenkte, nein, denn ich glaube noch immer daran, dass es gehen kann. Ich bin und bleibe scheinbar der eiserne Romantiker, der das Happy-End nicht aus dem Kopf kriegt. Verbrennt mich dafür, wenn Ihr wollt- aber ich glaube an die Liebe!

Ich erinnere mich aber auch an andere Sachen. Hab mir angewöhnt Menschen, die ich gern hab, wissen zu lassen, dass ich an sie gedacht habe. Ist für mich wichtig geworden. Es dauert nicht lange, bis eine Antwort kommt und ich bemerke ein Lächeln auf meinen Lippen. Wenn ich sie jetzt schon halb aus dem Bett geschmissen habe, dann kann ich auch noch anrufen ;) Der Tag endet mit einer weichen Stimme in meinem Ohr und ich erreiche sicher mein Bett. Meine Gedanken sind klar, der Kopf stimmt sich ein und ich verstehe. Denke ein letztes Mal über Sonne nach und schließe meine Augen.