Antidote

erstellt am 05.09.2012 04:16:15

Das Antidot oder Antidoton (griechisch αντίδοτον, antídoton, das dagegen Gegebene), synonym auch das Gegengift oder das Antitoxin (griech. Gegengift), ist ein (stoffliches) Gegenmittel zu Giften, Toxinen, Medikamenten oder anderen Substanzen, die auf einen Organismus Einfluss nehmen.

Es ist September!

Und der hat es in sich! Ereignisse überschlagen sich gerade. Es ist Nacht und meine Gedanken suchen ihr Zuhause während ich unter dem klaren Himmel heim fahre. Heute singt Phil Collins für mich und ich unterstütze ihn das tausendste Mal während er das "Es-ist-Nacht-und-ich-fahre-heim-Lied" zum Besten gibt:

I can feel it coming in the air tonight, oh lord!

Die Sterne über mir sind klar und der Wind in den Haarspitzen übermittelt in seiner unterschwelligen Botschaft, dass es nicht mehr viele warme Sonnenstrahlen oder warme Nächte geben wird. „Zieh Dich warm an!“, könnten die Worte sein, die mich erreichen sollten. Für den Moment ist es egal, denn der Blick in den Himmel entschädigt jede Veränderung und es zählt nur noch die Gegenwart. Fenster sind unten, Windschott eingerollt und ich kassiere das volle Programm. Das ist mein Weg, meine Freiheit. Und es ist Zeit für eine gravierende Veränderung.

Das Schicksal hat einen makaberen Sinn für Humor. Fühle mich wie eine Marionette, welche nach und nach weiter vorgeführt wird, nachdem mein Verhaltensmuster vermutlich nicht mehr genug Abwechslung geboten hat. Es hat beschlossen, ad hoc die Gleise für meine Reise und das daraus resultierende Leben neu zu legen und ich wache auf! Benebelt, benommen und mit neuem Bewusstsein.

Es gab einfacher gesagt einen Tiefschlag, den nur jemand verteilen kann, der einem sehr nahe steht. Die Wucht war so gewaltig, dass ich nicht mehr den entstehenden Schmerz wahrnahm und letztlich nur die Folgen psychosomatisch erlebte. Wie ein stark beruhigendes Medikament, das in deine Adern injiziert wurde und dich endlos durchströmt, während du den Ereignissen nur zusehen kannst. Apathische Reaktionen wie ein Lachen mit leerem Blick und magengrummeln waren die ersten Folgen. An dem Magen konnte ich merken, dass wesentlich mehr schief hing, als mir in den ersten Momenten bewusst war. Der Körper war damit beschäftigt, einen chemischen Prozess zu vollziehen. Überhöhter Puls, Schwitzen und dazu eine gute Dosis Alkohol … etwas in Dir stirbt ab! Und Du sitzt und lachst ohne es zu verstehen. Was es jedoch klar zu verstehen gab war, dass das, was in deinem Körper gerade passiert, dich ein für alle Male verändert.

Well I was there and I saw what you did, I saw it with my own two eyes ...

Es sind meiner Erfahrung nach die einschneidenden Erlebnisse, die einen egal wann verändern können. Dieses war ein solches. Ich bin über einige Stunden in diesem Zustand gewesen und fing an mir Gedanken zu machen, was wohl als nächstes passiert. Nur über den Menschen, der das ausgelöst hatte, gab es einfach nichts mehr nachzudenken. Ich wollte so lange für diesen Menschen kämpfen, wie er es für mich wert sei. Der Kampf ist ganz klar zu Ende!

So you can wipe off that grin, I know where you've been - It's all been a pack of lies!

Wie ein Enzym bindet mein Körper seitdem jegliche durch Erinnerungen initiierte Chemie die in meinen Kopf arbeiten will und baut sie zu einem verachtenden Lächeln um. Ich weiß nicht, wie ich dahin gekommen bin. Aber alle Empfindungen, moralische Bedenken, Toleranzen, Verständnis, Nebenreaktionen und Rücksicht sind ausgelöscht. Nummer vier ist kein Eintrag in der Hall-of-Fame wo damit nur ein Mensch wirklich glänzt.

Wo Schatten sind, da ist auch Licht!

Im Gegenzug zu dem obigen hat es andere Ereignisse gegeben! Gut so! Denn das waren positive. Wie gesagt, das Schicksal hat einen makaberen Sinn für Humor. Mit einer guten Freundin ging es abends auf eine eher zweitklassige Feierei, wo ganz viele bekannte Gesichter waren. Zwar zu viel um alles hier wieder zu geben, aber ok.

Allen voran stand dort plötzlich ein ganz besonderer Mensch vor mir. Jemand, den ich sehr in Ehren halte und bei jedem Treffen das Gefühl habe, dass die Zeit dann doch in gewisser Weise still steht. Einige Dinge ändern sich nicht- andere Dinge schon (aus Matrix II: „There are some things in this world, Captain Niobe, that will never change. … and some Things do change!“). Obgleich wir uns lange nicht gesehen hatten, wußte sie genau, was ich die letzten Jahre gemacht hatte. Scheinbar mache nicht nur ich meine Hausaufgaben sehr gut. Aber an sich war das klar, denn so sind Skorpione halt. Nach einem kurzen und lustigen „ich-weiss-etwas-über-dich!“-Kräftemessen sprachen wir über die Dinge, die wir so erleben. Das tat sehr gut.

Dann lief mir da noch ein Grauhaariger Kerl entgegen, den ich lange nicht gesprochen hatte. Wir hatten einst mal Geschäfte gemacht und danach dann irgendwann Funkstille. „Steht da noch etwas zwischen uns?“, wollte er wissen. „Nicht wirklich … Prost!

Das war eine andere Zeit damals. Vielleicht hätte ich einst mehr draus machen sollen. Heute jedoch erscheint das relativ egal. Ich bin hier. Das hätte ich sonst nicht geschafft.

Später waren da noch zwei Augen, die mir auffielen. Ich blieb an ihnen kleben und bemerkte erst später, wen ich da vor mir hatte. Grinste für mich, ging dennoch weiter. Aber auch ich wurde bemerkt. Gut zu wissen :) Notiert!

Der Abend war wie ein kleines Geschenk. Interessante Menschen, getanzt und letztlich noch analysiert werden!? Moment … neh, erhmm, das mit der Analyse streichen wir mal. Einiges davon war schon nicht schlecht, aber ich denke, wenn man einen Menschen lange Jahre nicht sieht, dann ist es nicht wirklich möglich jemanden in drei Sätzen zusammen zu fassen. „Darüber können wir mal auf einem Salat mal reden!“ … „Joa, ok, aber ich hab nen Freund!“ … „Das ist mir doch egal ;) Ich sagte Salat- nichts anderes!“ Manchmal ist es durchaus amüsant, zwischen den Zeilen zu lesen, wenn Mann und Frau kommunizieren. Aber mir ging es nur darum, ein wenig Konversation zu betreiben und zu hören, wie es die letzten Jahre gelaufen ist ;)

Purer Luxus war es, schick heim chauffiert zu werden. Passiert ja nicht so oft, weil ich sonst selber fahre. In der Nacht aber besser nicht- da war zu viel Scheiß im Blut. Vorher noch fix bei allen tschüss gesagt und raus. Draußen waren wieder die beiden Augen. Ich grinse leicht, als ich die Straße überquere und stelle fest: Der Tag hatte doch noch ein Happy-End.

Noch immer sind die Sterne über mir. Es ist Anfang September und ich blicke gespannt in die folgenden Wochen. Bin übermüdet und hab‘s gleich geschafft. Phil singt noch immer mit mir. Ich lasse den Abend Revue passieren. Es war spontan aber sehr schön. Vino und Ente untermauerten das ganz klar auch in der Magengegend :) Ganz viele Eindrücke, die unbezahlbar erscheinen und wichtig waren.

Das Licht und der Motor gehen aus. Ich bin da und durchlaufe das Tages-Abschluss-Protokoll: Zähne putzen, Meeresrauschen und wegsacken. Dabei bin ich mir sicher … Fortsetzung folgt!

Und das Schicksal? Na, hoffentlich ist es dem nun spannend genug, denn es wurde ordentlich gemischt. Dennoch fällt mir dazu eine Passage aus „Think twice“ von Groove Armada ein, mit der ich diesen Eintrag abschließen möchte:

"God damn that bitch of life she made me cry
so I'd like to poke her squarely in the eye ...
"